Der Mann, der den Eiffelturm verkaufte

Victor Lustig war vermutlich der gerissenste Trickbetrüger und Hochstapler, den die Vereinigten Staaten je gesehen haben. Geboren in Böhmen im Jahr 1890 zeigte sich schon bald sein Talent, andere Menschen mit scheinbarer Leichtigkeit über den Tisch ziehen zu können. Vor dem ersten Weltkrieg verdiente Lustig auf Überseedampfern sein Geld mit Betrügereien bei Glücks- und Kartenspielen.

Victor Lustig
Photo via Smithsonian – Courtesy of Jeff Maysh

1920 ging Victor Lustig in die Vereinigten Staaten und verlieh sich kurzerhand selbst einen wohlklingenden Titel. Fortan nannte er sich ‘Graf’ Victor Lustig. Gekonntes, aristokratisches Auftreten verlieh ihm wohl einen überwältigenden Charme, dem sich kaum jemand entziehen konnte.
Und so verkaufte er vermeintliche Gelddruckmaschinen ebenso wie er 100%ige Tipps für Pferdewetten annahm und sich mit den Einsätzen aus dem Staub machte.
Doch sein größter Coup gelang dem Betrüger mit der einnehmenden Art im Jahr 1925. Im Paris jener Jahre verfiel der Eiffelturm langsam vor sich hin. Eigentlich sollte der Turm ja bloß als markantes Bauwerk für die Weltausstellung 1889 dienen und im Jahr 1909 wieder abgerissen werden. Doch die Abrissarbeiten kamen auch ein Jahrzehnt später nicht recht in Gang, und so verfiel Lustig auf eine bestechende Idee: man müsste doch mit den vielen Tonnen Altmetall, die beim Abbau des Eiffelturms anfallen würden, einen schwungvollen Handel mit dem wertvollen Rohstoff auf die Beine stellen können. Ja, eine gute Idee, doch weit und breit war ein tatsächlicher Beginn der Abrissarbeiten nicht in Sicht.
Und so nahm Lustig die Sache selbst in die Hand.

.
Er gab sich als stellvertretender Generaldirektor des Postministeriums aus und fingierte eine Ausschreibung, in der der Verkauf des Eiffelturm angeboten wurde. Zu Verkaufsverhandlungen lud er ins mondäne Hôtel de Crillon an der Place de la Concorde, ein Hotel, das besten Ruf genoss und eine perfekte Tarnung für den Schwindel bot. Sechs Altmetallhändler kamen Lustigs Einladung nach. Beredt erklärte er, dass der Eiffelturm in den nächsten Monaten endgültig abgerissen würde, das zurückbleibende Altmetall würde an den Bestbieter verkauft.
Schon bald kristallisierte sich aus den Interessenten einer heraus: André Poisson, der sich durch den prestigeträchtigen Kauf des Turms einen Aufstieg in der Pariser Geschäftswelt erhoffte.
Tatsächlich gelang der Verkauf der etwa 7000 Tonnen Eisen, aus denen der Eiffelturm besteht. Victor Lustig erhielt von Poisson an die 50.000 Dollar, mit denen er sich sofort nach Wien absetzte um dort unterzutauchen.

Fingerabdrücke Lustigs, FBI

André Poisson, der naive ‘Käufer’ des Turms, erstattete erstaunlicherweise keine Anzeige gegen Lustig – vermutlich aus Scham davor, in diese Falle getappt und einem findigen Trickbetrüger auf den Leim gegangen zu sein.

In keiner Zeitung fand sich eine Meldung über den spektakulären Verkauf des Eiffelturms.
Dies wiederum bestärkte Lustig in seiner Methode – tatsächlich versuchte er mit haargenau derselben Taktik den Eiffelturm ein zweites Mal zu verkaufen. Doch ein zweites Mal gelang der Coup nicht. Der zweite vermeintliche Käufer schöpfte Verdacht und ging zur Polizei. Victor Lustig floh in die USA, wo er sich auf die vermeintlich wenig gefahrvolle Tätigkeit des Geldfälschens verlegte. Doch die falschen Banknoten flogen auf, Lustig wurde 1935 verhaftet und zu einer Gefängnisstrafe von 15 Jahren verurteilt, die er auf der berüchtigten Gefängnisinsel Alcatraz absitzen sollte.
Am 9. März 1947 erkrankte Lustig an Lungenentzündung und starb zwei Tage später.

 .
Kleine Anekdote zum Ende der Geschichte: Beim Ausfüllen des Totenscheins von Victor Lustig, der als Robert V. Miller in den Akten geführt wurde, soll der zuständige Beamte angeblich über den Punkt ‘Beruf’ gestolpert sein. In Ermangelung von vernünftigen Alternativen steht daher in Lustigs Totenschein als Berufsangabe ‚Apprentice Salesman‘ (in etwa ‚Verkäufer in Ausbildung‘).

Totenschein Victor Lustig

Share on Google+Share on FacebookTweet about this on TwitterPin on Pinterest

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*